Fernanda P. Quinguire Vega / Ecuador (Südamerika)

Fernanda ist im Mai 2002 geboren. Sie ist ein lebhaftes kleines Mädchen. In diesem Teil der Welt werden Kinder schnell erwachsen und alle müssen mithelfen, die Existenz der Familie zu sichern.

Zwar haben die Kinder noch Zeit zum Spielen, jedoch müssen sie auch bei der täglichen Arbeit helfen. Fernanda P. ist jetzt natürlich noch zu jung, aber wenn sie größer wird, muss auch sie ihren Beitrag leisten.

Sie besucht nicht die Schule. Grund dafür ist ihr Alter, sie ist noch zu jung. Kinder, die noch nicht zur Schule gehen, verbringen den Tag zu Hause oder spielen draußen zusammen. Ältere Geschwister oder Nachbarn kümmern sich um sie.

Fernanda und Ihre Familie

Maria ist Fernandas Mutter, zurzeit arbeitet sie als Straßenhändlerin, Segundo ist Fernandas Vater. Zurzeit arbeitet er als Maurer. Camila ist Fernandas Schwester. Die Familie spricht Spanisch.

Fernandas Familie lebt in einem kleinen Haus aus Ziegeln mit einem Dach aus Wellblech. Das Haus ist gemietet. Als sie mir ihr Zuhause zeigte, sagte mir Maria, der Zustand des Hauses sei schlecht. Die Wohnverhältnisse sind somit nicht sehr gesundheitsförderlich. Fernandas Familie besitzt keine eigene Latrine und muss ein Loch im Boden nutzen. Dies bedeutet einen niedrigeren Hygienestandard und Infektionskrankheiten treten häufiger auf, besonders bei Kindern.

Fernandas Familie kocht ihre täglichen Mahlzeiten auf einem Herd ohne Backofen. Als Brennmaterial dient Propangas. Zur Beleuchtung des Hauses benutzt die Familie elektrischen Strom, den sie mit einem angemeldeten Anschluss ohne Zähler bezieht. Wie ihre Freunde und Nachbarn verfügt Fernandas Familie über ein sehr geringes Einkommen, das kaum ausreicht, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Jedoch haben die Familien in Tepeyac ein reges Gemeinschaftsleben.

Maria erzählte, dass Fernanda im letzten halben Jahr bei guter Gesundheit gewesen sei. Somit ist sie eines der Kinder, die sich glücklich schätzen können, da noch immer viele Kinder an Krankheiten leiden, die vermeidbar sind. Fernanda und Camila nehmen an einem Programm zur Wachstumskontrolle bei Kleinkindern teil, das dabei hilft, Ernährungsmängel festzustellen und eine gesunde Entwicklung zu sichern. Fernanda hat alle Grundimpfungen erhalten als Schutz gegen die am häufigsten auftretenden Kinderkrankheiten. Wenn Fernanda oder eine andere Person aus ihrer Familie krank ist, können sie in das nächste Gesundheitszentrum gehen, was ungefähr zwei Stunden dauert. Im Notfall müsste die Familie das nächste Krankenhaus aufsuchen, was ungefähr eine Stunde dauert. Somit ist es nahezu unmöglich, eine Notfallbehandlung zu erhalten.

Geografie und Klima

Ecuador liegt am Äquator im Nordwesten Südamerikas. Es teilt sich in drei Regionen: das Küsten-Tiefland im Westen, das tropische Amazonasbecken im Osten und das zentrale Anden-Hochland. Während dort das Temperaturmittel bei 12 Grad Celsius liegt, sind die nordöstlichen Regenwaldgebiete des Amazonas sehr heiß und feucht.

1533/34 eroberten die Spanier Ecuador und zerstörten das Inkareich. Sie regierten das Land zunächst von Peru und später von Groß-Kolumbien aus. 1822 erlangte Ecuador unter Simon Bolivar die Unabhängigkeit und wurde 1830 selbstständige Republik. Bis 1911 wechseln sich kirchentreue Konservative, antiklerikale Liberale und Militärs in der Führung des Landes ab. 1941 marschierte Peru in Ecuador ein und annektierte einen Großteil des Amazonasbeckens. Diese Grenzrivalitäten wurden erst 1998 durch ein Friedensabkommen beigelegt. Seit Beginn der 80er Jahre kam ein langsamer Demokratisierungsprozess in Gang.

Die Verfassung von 1979 verankert ein präsidiales Regierungssystem. In den vergangenen Jahren führten wirtschaftliche und sozialpolitische Entscheidungen der Regierung immer wieder zu Protesten bei der Bevölkerung, insbesondere bei den indigenen Volksgruppen. Seit 1998 führt das Klimaphänomen "El Nino" immer wieder zu Überschwemmungen. Dennoch ist es in Ecuador in den letzten Jahren politisch recht stabil geblieben.

Kinder und Gesundheit

Kinder haben Rechte. Dennoch gehören Kinderarbeit und physische Gewalt in Schulen und Elternhaus zum Alltag der Kinder und Jugendlichen in Ecuador. Ziel der Programmarbeit von Plan ist eine nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Gemeinden. Dabei steht das Wohl der Kinder im Mittelpunkt. Die Projektarbeit umfasst fünf Arbeitsfelder: Gesundheit, Bildung und Ausbildung, Lebensumfeld, Einkommen sowie interkultureller Austausch. Daran nehmen die Kinder aktiv teil.

Die medizinische Versorgung reicht für viele Familien nicht aus. Kleinkinder und Mütter sind anfällig für Krankheiten, weil es an sauberem Trinkwasser und Latrinen mangelt. Besonders die Indio-Bevölkerung leidet häufig an Durchfall, Atemwegsinfekten, Blutarmut und Vitamin-A-Mangel.

Hauptnahrungsmittel sind eine Vielzahl Getreide, besonders Mais, sowie Kartoffeln, Reis und Nudeln. Fleisch (Rind oder Schwein) gibt es nicht sehr oft. Mangelernährung ist sehr verbreitet, was unmittelbar mit dem niedrigen Einkommen der Bevölkerung zusammenhängt.

Bildung und Ausbildung

Es besteht Schulpflicht vom sechsten bis 14. Lebensjahr. Staatliche Bildungsprogramme führten landesweit zu einem Anstieg der Alphabetisierungsrate. Zwischen ländlichen und städtischen Gebieten gibt es jedoch große Unterschiede. Viele Kinder in dörflichen Gemeinden besuchen die Schule entweder gar nicht oder müssen sie vorzeitig wieder verlassen, da die Familien auf ihre Mitarbeit angewiesen sind.

Lebensumfeld

Die Wohnverhältnisse sind oft gesundheitsgefährdend: In den Slumgebieten leben die Menschen beengt in provisorischen Unterkünften. Sie verfügen weder über sanitäre Einrichtungen noch über sauberes Trinkwasser. Auf dem Land hat nur ein geringer Teil der Familien einen Strom- oder Wasseranschluss.

In den Stadtrandgemeinden werden Häuser in Eigenarbeit und ohne professionelle Hilfe gebaut und sind daher sehr instabil. Man verwendet Holz, Adobe oder auch Blechdosen. Die etwas Wohlhabenderen benutzen Steine oder im Idealfall, Ziegel. Die Ärmsten haben Wellblechdächer, danach geht man zu Asbest über und später dann zu Betondächern. Der Zugang zu den Stadtrandgemeinden ist gut, jedoch nur von der Stadt aus. Die anderen Gemeindestraßen sind zum Teil unbefestigt. Es gibt nicht überall öffentliche Verkehrsmittel, und die vorhandenen sind langsam, unregelmäßig und schlecht, bisweilen gar gefährlich.

Einkommen

Vor allem im tropischen Küstengebiet werden Bananen, Kaffee, Kakao, Zuckerrohr und Palmöl für den Export angebaut. Zudem werden Balsaholz, Schnittblumen und Garnelen ausgeführt. Die meisten Ecuadorianer arbeiten im städtischen Dienstleistungssektor.

Der Mangel an Arbeitsplätzen in den ländlichen Gebieten treibt viele Familien und vor allem Männer auf der Suche nach Arbeit in die Städte. Dort halten sich die meisten mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Auch Kinder verdienen zum Familienunterhalt dazu, indem sie Schuhe putzen, Zeitungen verkaufen oder Autos waschen.

Interkultureller Austausch

Aufgrund der schlechten Ausbildungslage können viele Kinder nicht selbst schreiben. Die einheimischen Indio-Gruppen sprechen im Wesentlichen Ketschua, eine schriftlose Sprache. Sie haben mit dem Briefeschreiben besondere Schwierigkeiten. Dann helfen ihnen Verwandte, Freunde oder ehrenamtliche Plan-Mitarbeiter. Die Familien freuen sich sehr über Briefe und Postkarten von Ihnen. Die Kommunikation kann allerdings manchmal einige Zeit in Anspruch nehmen: In der Regenzeit sind die ländlichen Gemeinden oft schwer zu erreichen, da Wege und Straßen unpassierbar sind. Geburtsdaten und der genauen Schreibweise von Namen wird kein großer Wert beigemessen. Die ecuadorianische Familie ist groß. Oft leben Onkel, Tanten und andere Verwandte mit der Patenfamilie zusammen. Die Familienzusammensetzung ändert sich besonders schnell in den von der Landflucht betroffenen Gebieten.

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